Station 8: Kirchmöser Mühlenberg

1. Zuordnung

2007 Land Brandenburg, seit 2002 zur Kreisfreien Stadt Brandenburg (BRB), Ortsteil Kirchmöser (http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchmöser)

1835 Königreich Preußen, Regierungsbezirk Magdeburg, Kreis Jerichow II, Ortsbereich Möser, Station Nr. 8 (Herbarth 1978: 46/47)

2. Name

Ortsbereich Möser, Stationsstelle ohne Namen (Statistische Übersicht 1835 in Herbarth 1978: 47); Möser auf dem Mühlenberg (Herbarth 1978: 64)

Flurname: Die Station Nr. 8 stand auf einer Kuppe (Preußisches Urmesstischblatt von 1842), die heute den Namen Mühlenberg trägt und 60,6 m hoch ist (Topographische Karte (TK) der Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg 2005).  Ca. 325 m weiter nordnordöstlich steht auf der Nordflanke des Mühlenbergs bei 57,7 m ein Aussichtsturm.

Nebenher: Verwirrend und falsch ist in „Google maps“ die Bezeichnung „Am Zolchberg“ für den Weg, der 50 m westlich des Top des Mühlenberges in N-S-Richtung verläuft, zumal der Name Mühlenberg in Google maps nicht erscheint.  Bindend dagegen ist die amtliche TK, die den Weg „Auf dem Zolchberg“ in Ost-West-Richtung und deutlich südlich des Mühlenberges zeigt (Bild 2, MM).

3. Anfahrt, Lage, Koordinaten, Bodenfunde, Höhe und Karten

Anfahrt mit dem Fahrrad: Siehe Station 7 Kapitel 9 und Station 9 Kapitel 5.6

Größere Kartenansicht

Höhenprofil der Stationen 1 bis 13: Ausschnitt aus dem Telegraphenbuch III: Abb. 5 (© MENNING et al. 2012)

Höhenprofil der Stationen 1 bis 13: Ausschnitt aus dem Telegraphenbuch III: Abb. 5 (© MENNING et al. 2012)
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Anfahrt per PKW: von der B1 in Plaue den Görneweg nach Süden – Kirchmöser West – Kirchmöser Dorf an der Kirche vorbei – Gränertstraße – nach rechts über die Bahnbrücke – nach links 80 m – parken – Feldweg hügelauf 400 m – nach rechts 180 m – Aussichtsturm mit Informationstafel.

Lage: „Die Station lag mit einem Wohnhaus 1/8 Meile südwärts von Möser“ (Herbarth 1978: 64).  Das preußische Urmesstischblatt von 1842 zeigt den Telegrafen auf dem Top des damals noch namenlosen Mühlenberges 400 m südsüdwestlich der Mühle.

Die Telegrafenstation Nr. 8 befand sich in der heutigen Ackerfläche auf dem Top des Mühlenberges, ~325 m südsüdwestlich des heutigen Aussichtsturms, ~50 m östlich des Feldweges und ~25 m westlich der Überlandleitung (Menning & Schwarz 14.03.2009).

80 m nördlich der ehemaligen Mühle steht heute ein kleiner Aussichtsturm mit einer Informationstafel, die auch über die optische Telegrafie informiert.  Den Aussichtsturm erreicht man über einen Feldweg, der nahe der Eisenbahnbrücke in Kirchmöser beginnt und als Hohlweg Richtung Westen auf den nach Norden abfallendenden breiten Rücken des Mühlenbergs führt (Wegweiser).  Dieser Feldweg dürfte nahezu der sein, der auch schon auf der Karte von 1842 eingezeichnet ist (MM).

Koordinaten der Station: 52°22'05,4" N,  12°25'07,8" O (nach dem Preußischen Urmesstischblatt Nr. 3640 Wusterwitz von 1842 in Kombination mit einer amtlichen Topographischen Karte 1:10 000 von 2005 (TK10) mit 1-m-Isohypsen sowie einer Markierung von Ziegelbruchstücken auf der schwach begrünten Ackerfläche (Menning & Schwarz 14.03.2009)

Falsch ist die Ortsangabe 52°20'28"N, 12°25'35"O sowie die Höhe von 70 m NN in Wikipedia 2007–03.08.2009.  Der angegebene Ort liegt 3200 m von dem wahren entfernt.

Bodenfunde: Auf einer Fläche von ca. 100 m Durchmesser sind mindestens 100 Bruchstücke von feuerroten Ziegelsteinen verschiedener Größe verteilt, die als Reste des Mauerwerks der Station gedeutet werden.  Darunter ist ein halber Ziegel mit einer frischen Kratzspur, vermutlich eines Pfluges.  Der Ziegel lag ca. 50 m östlich des Weges und ca. 25 m östlich der aufrechtstehenden Eisenbahnschwelle, die an einem Plaumenbaum steht, der an der Grenze zwischen Wegrain und Acker wächst .  Eine kleinerer Ziegelrest mit Mörtelresten wurde in ca. 80 m Entfernung 6 m westlich der Überlandleitung und 27 m nördlich des 4. Strommastes (Maste gezählt vom Norden der Ackerfläche) gefunden.  Weiterhin wurden zwei ca. 3 cm lange Reste von Dachsteinen entdeckt.

Der Schwerpunkt der Fundfläche liegt ca. 20 m südsüdöstlich des Top des Mühlenberges leicht westlich der Überlandleitung (Menning & Schwarz 14.03.2009).

Höhe: 60,6 m (TK10 2005)

4. Station & Ereignisse

4.1 Grundstück, Gebäude und Baumeister

Grundstück: Die Station Nr. 8 wurde auf dem höchsten Punkt des Mühlenberges zwischen dem Möserschen See und dem Grossen Wusterwitzer See errichtet.  Die Schon seit 1738 (Informationstafel am Aussichtsturm) stand auf der Nordflanke des Mühlenberges eine Bockwindmühle.  Mühle und Station hatten mit 400 m einen gehörigen Abstand, so dass eine gegenseitige Beeinträchtigung ausgeschlossen war.  Auch in der Nähe der Stationen Nr. 9 Zitz und Nr. 12 Schermen standen Mühlen, die allerdings erst kurz nach den Telegrafenstationen errichtet worden sind (MM).

Gebäude: Häuschen nach englischem Vorbild mit Beobachter- und Wohnzimmer (4,4 x 5 m) und Kammer (2,2 x 5 m), 2,8 m hoch, die Fenster durch Läden zu verschließen, hölzerner Anbau – vermutlich Stall und Abtritt; Garten.  Über dem Beobachtungszimmer auf dem Dach eine umgitterte Plattform.  Die Station ist zum Übernachten geeignet (Arlt 2007c: 14).
1836 wurde die Station wegen des Flimmerns der Luft in der Mittagshitze um ein Stockwerk erhöht (Herbarth 1978: 64)

Baumeister: Ingenieur Hauptmann und Garnisonsbaudirektor Gottlieb Heinrich Ferdinand Heise (1788–1843) von der 2. Ingenieur-Inspektion und Premier-Leutnant Johann Heinrich Carl Lindner von der dritten Pionierabteilung, beide vom IV. Armeekorps in Magdeburg (Buchholz in www.uni.magdeburg.de/mbl/Biografien/1370.htm; Herbarth 1978: 63)

Betriebszeit: 1832 bis 1849

4.2 Personal, Ereignisse, Anekdoten, Verkauf und Abbruch

Personal:

Ereignisse:

Anekdoten:

Verkauf:

Abbruch:

4.3 Heutige Nutzung, Beschilderung und Eigentümer

Nutzung und Beschilderung: Inmitten einer mehr als 1 km langen Ackerfläche, befindet sich heute ein Aussichtsturm mit einer Tafel des OT Kirchmöser der Stadt Brandenburg, die auch über die optische Telegrafie informiert.
Wegweiser zur Station sollten an den Enden des namenlosen Feldweges, der in N-S-Richtung über den Mühlenberg führt, aufgestellt werden.  An diesem Feldweg könnte 50 m westlich des Top des Mühlenberges und der ehemaligen Station eine standardisierte Informationstafel errichtet werden.

Eigentümer: Landwirtschaftliche Genossenschaft

5. Umgebung

5.1/2 Geographie und Geologie

Der Mühlenberg befindet sich am Nordostrand der Karower Platte, einer Weichsel-kaltzeitlichen Hochfläche.  Eingerahmt vom Großwusterwitzer See im Westen, dem Heiligen See im Norden und dem Möserschen See im Osten, allesamt in der Brandenburger Havelniederung gelegen, erhebt er sich bis auf 60,6 m HN.  Der Mühlenberg ist mit Weichsel-kaltzeitlicher Grundmoräne (Geschiebelehm und -mergel) bedeckt, darunter folgen Schmelzwassersande.  Südlich des Mühlenberges schließt sich das überwiegend aus Schmelzwassersanden aufgebaute Gebiet des Gränert an (N. Hermsdorf).

Geologische Übersichtskarte von Deutschland 1:200 000

Geologische Übersichtskarte von Deutschland 1:200 000 Blatt Magdeburg 2000, © Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover, mit den Stationen 10, 11 und 12 (Beschaffung: S. Wansa 04/2014, Montage: AH)

5.3 Geschichte, Kultur, Bildung, Sehenswürdigkeiten und Tourismus

http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchmöser

5.4 Gewerbe und Produkte

http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchmöser#Wirtschaft_und_Infrastruktur

5.5 Gaststätte

Lindenkrug, Bahnhofstraße 51, 11.00 – 14.00 und 17.00 bis ultimo, vom Aussichtsturm auf dem Mühlenberg 10 Minuten, bis zum Bahnhof 3 Minuten; Tel. 033 81 – 80 25 17

6. Kontakte

Bürgerverein „Pro-Kirchmöser“ e.V., Ines Budick, Grenzstr. 84, 14774 Brandenburg-Kirchmöser, Tel. 033 81 – 80 15 80

Ortsbürgermeisterin (seit 2007) Ines Budick, Grenzstr. 84, 14774 Brandenburg-Kirchmöser, Tel. 033 81 – 80 15 80

7. Information

7.1 Internet

http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchmöser
www.stadt-brandenburg.de/stadt-brandenburg/index.php

7.2 Schrift

7.3 Video etc.

8. Öffnungszeiten

frei zugänglich, sofern der Acker unbestellt ist

9. Zur Station Nr. 9

Luftlinie: 8,9 km (PS)

Fahrrad: ??? km (???)

Auto und zu Fuß: ??? km (???)

Variante 1 (grün-rot): per Rad oder Auto nach Mahlenzien Richtung SSO-S; in der Neustädter Heide an einer Straßenkreuzung ca. 200 nach links bis zum Hohenzollernstein (Bilder) – vom Hohenzollernstein 200 m zurück und weiter nach links (Süd) bis Mahlenzien; rechts ab über Viesen, Rogäsen nach Zitz und weiter Richtung Karow.  Ca. 800 m westlich des Dorfzentrums von Zitz befindet sich nördlich der Straße eine Baumgruppe.  Südwestlich von ihr, und näher an der Straße als an der Baumgruppe, befindet sich der höchste Teil des Steinbergs inmitten einer Ackerfläche: hier lag die ehemalige Station.

Variante 2 (blau): Radtour vom Bahnhof Wusterwitz (Regionalbahn 1) via Gollwitz, Gollwitzer Berg, Kade, Karow zur Station Nr. 9 (Kapitel 5.6.)

Von der Station 8 zur Station 9: Kirchmöser – Zitz (Routenvorschlag: AS, Graphik: AH, © GeoBasis-DE/LBG 20_, GB – D 23/10, Datengrundlage: DTK 50 (2002), Dank an die Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (www.geobasis-bb.de) für die freundliche Unterstützung.(Hohe Auflösung)