Station 7: Brandenburg a. d. Havel Marienberg
1. Zuordnung
2007 Land Brandenburg (BB), Kreisfreie Stadt Brandenburg a. d. Havel (BRB), www.stadt-brandenburg.de
1816–1881 Königreich Preußen, Regierungsbezirk Potsdam, Landkreis Westhavelland, Stadt Brandenburg, ab 01.04.1881 kreisfrei.
3. Zugang, Lage, Koordinaten, Höhe und Karte
Zugang: von der Altstadt zu Fuß nach der Friedenswarte auf dem Marienberg
Lage: Auf dem Marienberg südöstlich seines Tops und damit südöstlich des heutigen erdbedeckten Wasserhochbehälters der Stadtwerke Brandenburg a. d. Havel: a) im Bereich der heutigen Gaststätte (Leistner & Schwarz 11/2009): nach dem Gemälde von Bott (siehe tiefer), das eine genaue Orientierung anhand von Gebäuden erlaubt, sowie der Ausrichtung der Gaststätte im geographischen Koordinatensystem (mdl. Mitt. Schwarz 11/2009); b) nahe des heutigen Aussichtsturms „Friedenswarte“ (Menning: nach dem Preußischem Urmesstischblatt von 1839 und dem Gemälde von Bott)
Koordinaten: ≈ 52°24'55" N, ≈ 12°32'52,6" O (Lagevariante a)
Höhe: ≈ 66 m (Lagevariante a)
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4. Station
4.1 Grundstück, Gebäude und Baumeister
Grundstück:
Gebäude: Häuschen nach englischem Vorbild mit Beobachter- und Wohnzimmer (4,4 x 5 m) und Kammer (2,2 x 5 m), 2,8 m hoch, die Fenster können durch Läden verschlossen werden, hölzerner Anbau – vermutlich Stall und Abtritt; Garten. Über dem Beobachtungszimmer auf dem Dach eine umgitterte Plattform. Die Station ist zum Übernachten geeignet (Arlt 2007c: 14).
Baumeister waren Major von Hessenthal, Commandeur, und Premier-Leutnant Buchard von der Garde-Pionier-Abteilung (Herbarth 1978: 63)
Betriebszeit: 1832 bis 1849
4.2 Personal, Ereignisse, Anekdoten und Verkauf/Abriss
Personal: 1847 sind die Obertelegraphisten Mess (wohnhaft Plauer Straße 2) und Walsleben (wohnhaft Steinstraße 68) sowie die Telegraphisten Otto (wohnhaft Mühlentorstraße 1) und Franke (wohnhaft Altstädtische Große Heidestraße 9) im Adressbuch aufgeführt.
Weiterhin sind die Namen Mahnkopf; Meinecke, Ferdinand; Menzel bekannt, die aber wohl erst später tätig waren.
Aus dem Jahre 1832 ist der Name Friedrich Wilhelm Oppermann bekannt, der anscheinend später nach Soest versetzt wurde (D. Leister, schriftl. Mitt. 02/2010).
Ereignisse:
Anekdote:
Verkauf/Abriss: „Nach Auflösung der Linie verkaufte oder vermietete man das Stationshäuschen, an einen Konditor“ (Herbarth 1978: 64). Nach (H. Köhler) wurde es 1850 an einen Konditor vermietet, doch das Geschäft wurde bald wieder geschlossen.
Im „Brandenburger Anzeiger“ vom 25.07.1860 wird offeriert: „Da ich jetzt im Telegraphenhause auf dem Marienberg wohne, erlaube ich mir hierdurch ergebenst mit der Bitte anzuzeigen, mich auch hier mit recht vierlen Aufträgen zu beehren. Da jedoch vielen das Bergsteigen und vorzüglich bei schlechtem Wetter ermüden möchte und vielen es an der Zeit fehlt, so wird, um diesem Übel abzuhelfen, Herr Sachneidermeister Kahlitz, Steinstraße 212 wohnhaft, die Güte haben, Alles für mich in Empfang zu nehmen, von wo ich es täglich zweimal abholen lassen werde und ebenso das Fertige besorge; es geschieht dies ebenso gut, als wäre es in meine Hände selbst gegeben“. J. Eduard Thie, pract. Opticus (BRAWO 11.04.2010)
1861 erfolgte der Verkauf des Telegrafenhauses zum Abbruch. Es wurde gegen 1862 abgerissen (Herbarth 1978: 64).
4.3 Heutige Nutzung, Eigentümer, Beschilderung und Gäste
Heutige Nutzung: Parkanlage mit Aussichtsturm und Gaststätte
Eigentümer: Stadt Brandendenburg a. d. Havel
Beschilderung: Unscheinbarer Hinweis auf die Telegrafenzeit am Aussichtsturm „Friedenswarte“
5. Umgebung
5.1 Geographie
Das Stadtgebiet von Brandenburg liegt naturräumlich in der ausgedehnten Brandenburger Havelniederung. Der Marienberg (67,7 m über HN) durchragt die Havelniederung um gut 35 m.
5.2 Geologie
Die Havelniederung ist hier durch weitflächige, meist nur 1–3 m mächtige Flachmoorbildungen (Moorerde, Anmoor, Niedermoortorf) sowie Schmelzwasserbildungen der Urstromtäler (Talsande) charakterisiert. Während die flachen Moorbildungen überwiegend in historischer Zeit entstanden und anthropogenen Ursprungs sind (Mühlenstaue), treten nicht selten lokal eng begrenzte Vorkommen von bis max. 15 m mächtigen holozänen Muddekörpern auf. Am Aufbau des Marienberges sind überwiegend gestauchte Schmelzwassersande der Weichsel-Kaltzeit beteiligt (N. Hermsdorf).
5.3 Geschichte, Kultur, Bildung, Sport, Sehenswürdigkeiten und Tourismus
Die heutige Dominsel mit der einstigen slawischen Burg (erstmals im 7. Jh. erbaut; keine sichtbaren Teile mehr vorhanden; fälschlich auch als „Brennabor“ bezeichnet; erst aus dem 10. Jh. sind Namen überliefert: 948 Brendanburg, 967 Brennaburg) ist der Ausgangspunkt für die Entstehung der Mark Brandenburg. Als Geburtsstunde der Mark gilt das Jahr 1157, als Albrecht der Bär aus dem Geschlecht der Askanier (um 1100–1170, Familiensitz war Ballenstedt am Harz) die Burg eroberte. Er nannte sich fortan Markgraf von Brandenburg. Bald danach entwickelten sich zahlreiche Städte und mit den nachfolgenden Gebietserweiterungen durch die Askanier entstand die Mark Brandenburg.
Auf dem Marienberg befand sich in slawischer Zeit ein Triglaf-Heiligtum und von 1220 bis 1722 die Marienkirche, eine berühmte Wallfahrtskirche. Nach ihrem Abriss unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. war die Kuppe des Berges über ein Jahrhundert unbebaut.
1832 wurde „etwas unterhalb seiner Spitze“ (Heffter in Bodenschatz & Seifert 1992: 125) und „auf einem Platz links [östlich] vom Gipfel“ das Telegrafenhäuschen mit der Hausnummer 1 unter den Häusern „vor den Toren der Altstadt“ errichtet. 1861 erfolgte der Verkauf des Telegrafenhauses zum Abbruch. Ab 1874 begann der Bau eines Kriegerdenkmals, das 1880 eingeweiht, 1945 durch Kriegseinwirkungen stark beschädigt und bald danach abgerissen wurde. Unterhalb des Denkmals entstand 1908 die Bismarckwarte, aus der 1958 die Friedenswarte wurde. Nach ihrem Abbruch 1974 entstand hier die neue Friedenswarte, die 2006 saniert wurde und die als Aussichtsturm genutzt wird (H. Köhler).
Archäologisches Landesmuseum Brandenburg im Paulikloster, Stadtmuseum im Frey-Haus (Gemälde „Optischer Telegraf in Brandenburg“, Spielzeugausstellung, Stadtgeschichte), Museum im Steintorturm (Schifffahrtsausstellung, Aussichtsturm mit Blick auf die Neustadt), Dommuseum, Industriemuseum (www.stg-brandenburg.de/museen_kunst_kultur), Dom, Altstädtisches Rathaus, Roland, Gotthardtkirche, Katharinenkirche, Nikolaikirche, Steintortum, Mühlentorturm, Plauer Torturm, Rathenower Torturm, Brandenburger Theater, Fachhochschule, Regattastrecke Beetzsee.
Von der Friedenswarte auf dem Marienberg wunderbarer Blick auf die historische Altstadt mit der Gotthardtkirche (1140/47), dem Altstädtischen Rathaus (15. Jh., Sanierung 2007) und dem „Roland“ (1474) davor; Dom (1165) auf der Dominsel, dem Ursprung der Mark Brandenburg.
M: Volksweise Text: ? 1. In Brandenburg uff´n Beetzsee, 2. Fritze Bollmann wollte angeln, 3. Fritze Bollmann schrie um Hilfe, 4. Nur die Angel ward gerettet, |
5. Fritze Bollmann kam in´n Himmel: 6. Und der Petrus ließ sich rühren. 7. Fritze Bollmann, der balbierte. 8. Uff de große Himmelsleiter |
www.stg-brandenburg.de/wissenswertes-fritzebollmann.html
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- Albrecht der Bär
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- Modell
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- Wappen der Chur- und Hauptstadt
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- Dom
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- Nikolaikirche
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- Paulikloster
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- Archäologische Landesmuseum
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- Archäologische Landesmuseum
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- Johaniskirche
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- Katharinenkirche
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- Katharinenkirche
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- Schauwand
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- Gotthardtkirche
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- Gotthardtkirche
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- Rathaus
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- Bürgerhäuser
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- Roland
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- Steintorturm
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- Plauer Torturm
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- Rathenower Torturm
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- Mühlentorturm
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- Neue Mühle
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- Älteste Stadtansicht von 1582
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- St. Annenstraße um 1850
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- Bismarckwarte, Kriegerdenkmal und Gaststätte um 1910
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- Bollmannbrunnen
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- Regattastrecke
5.4 Gewerbe und Produkte (Auswahl)
Heidelberger Druckmaschinen AG, ZF Getriebe GmbH Werk Brandenburg, B.E.S. Brandenburger Elektrostahlwerke GmbH, Weichenwerk Brandenburg GmbH Kirchmöser.
Ehemals wurden vor allem produziert: Blech- und Linolspielzeug, Fahrräder, Motorräder, Autos, Getriebe, Traktoren, Schiffe, Stahl, Wolle, Tuche. (H. Köhler)
5.5 Gaststätten & Quartiere
- Gaststätte auf dem „Marienberg“
- Restaurant „Bismarck-Terassen“ (am Fuße des Marienbergs)
6. Kontakte
6.1. Stadtmuseum Brandendenburg im Frey-Haus, Ritterstr. 96, 14770 Brandenburg a. d. Havel, Dr. Hans-Georg Kohnke (Direktor, 03381 – 58 45 00/01), Heike Köhler (stellv. Direktorin, Tel. 033 81 – 58 45 02), e-mail: heike.koehler@stadt-brandenburg.de, Rita Weigelt-Koppe, Tel. 0 33 81 – 58 45 26.
6.2 Dagmar Leistner, Fouquéstr. 16, 14770 Brandenburg a. d. Havel, Tel. 033 81 – 71 10 50, dagelei@web.de
6.3 Sabine und René Spengler, Oldenburger Straße 29, 14770 Brandenburg a. d. Havel, Tel. 033 81 – 3 25 12 17, fillidae@freenet.de
7. Information
7.1 Internet
7.2 Schriften
- Bodenschatz, H. & Seifert, C. (1992): Stadtbaukunst. Brandenburg an der Havel. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart: 373 S. Berlin (Transit-Buchverlag)
- Bott (um 1840): Ölgemälde Optischer Telegraf auf dem Marienberg in Brandenburg a. d. Havel, Stadtmuseum im Frey-Haus, Brandenburg a. d. Havel.
- BRAWO (2010): Optiker statt Telegraph. – BRAWO, 11.04.2010 (Brandenburg a. d. Havel).
- Buchinger, M.-L. (1995): Stadt Brandenburg an der Havel: 316 S., Worms (Wernersche Verlagsgesellschaft).
- Cante, M. (1994, 1995): Denkmale in Brandenburg. Stadt Brandenburg an der Havel. Bd. 1.1 und 1.2. Worms (Wernersche Verlagsgesellschaft)
- Heinrich, G., Heß, K., Schich W. & Schößler, W. (Hrsg.) (1998): Stahl und Brennabor. Die Stadt Brandenburg im 19. und 20. Jahrhundert. – Verlag für Berlin-Brandenburg
- Heß, K. (1992): Brandenburg so wie es war: 104 S., Düsseldorf (Droste).
- Historischer Verein Brandenburg a. d. Havel (1994 ff.): Jahresberichte.
- Köhler, H. & Kreschel, K. (2007): Vom Störrischen Esel zum Kletteraffen Tom. Blechspielzeug des Ernst Paul Lehmann Patentwerkes Brandenburg (Havel), 1881-1992. – Brandenburger Museumshefte, 6. Lappersdorf (Kerschensteiner Verlag)
- Kreschel, K. & Köhler, H. (2005): Brandenburg an der Havel in alten Ansichten, Band 2. – Zaltbommel (Europäische Bibliothek). [Band 1, 1995]
- Lüders, M. & Wendler, K. (1992): Entdecken & Erinnern Brandenburg: 86 S., München und Berlin (Bucher).
7.3 Video etc.
VHS/DVD
Stadtkanal Brandenburg (Hrsg.): Stadt Brandenburg an der Havel. 7 Filme zu Traditionen, Bauten, Kultur, Industriegeschichte, Festen, Wasser, Sport.
8. Öffnungszeiten
Die Friedenswarte ist i. d. Regel von April bis Oktober Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Eintritt 3 €, ermäßigt 1 €.
Stadtmuseum im Frey-Haus (Ritterstraßen 96)
Dienstag – Freitag 9.00 bis 17.00 Uhr
Samstag – Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr
Museum im Steintorturm (Steinstraße)
9. Zur Station Nr. 8
Luftlinie: 10,3 km (PS)
Telegraphenradweg: ? km (H. Köhler)
Telegraphenstraße: ? km und 600 m Fußweg bis zum Aussichtsturm (MM)
Rad: Fuß des Marienbergs – leicht links – Bergstraße rechts – halblinks zur Neuendorfer Straße – Caasmannstraße – Ratsweg – Am Anger – Windmühlenweg (l) –Buhnenbrücke (über die Havel, Gaststätte) – Weg zum Breitlingsee – Richtung Malge auf dem Hochufer des Breitlingsees wunderschöner Blick – Malge (Gaststätte) – FKK-Strand – (nördl.) Bahnstrecke Berlin–Magdeburg – Gränert (NSG) – Gränerstraße (Kirchmöser Dorf) – Bahnbrücke – links 80 m – rechts 400 m Feldweg – rechts 180 m – OT-Station 8: Aussichtsturm mit Informationstafel
PKW: B1 Plaue – links – Kirchmöser West – Kirchmöser Dorf queren bis Gränertstraße – Bahnbrücke – links 80 m – parken – rechts 400 m Feldweg – rechts 180 m – OT-Station 8: Aussichtsturm mit Hinweisschild

- Von der Station 7 zur Station 8: Brandenburg a. d. Havel – Kirchmöser (Routenvorschlag: H. Köhler, Graphik: AH, © GeoBasis-DE/LBG 20_, GB – D 23/10, Datengrundlage: DTK 50 (2002), Dank an die Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (www.geobasis-bb.de) für die freundliche Unterstützung. (Hohe Auflösung)
