Station 42: Menden-Dahlsen Noltenkopf

1. Zuordnung

2014 Bundesland Nordrhein-Westfalen (NW), Märkischer Kreis (MK), Stadt Menden (http://de.wikipedia.org/wiki/Menden_%28Sauerland%29), Ortsteil Menden-Dahlsen

1835 Königreich Preußen, Regierungsbezirk Arensberg, Kreis Iserlohn, Gemeinde Menden, Stationsstelle Noltenkopf (H78: 46).

"Die in der Karte (H78:46) zu findende obige Schreibweise "Arensberg" ist falsch. In der örtlichen Literatur z.B. Chronik der Stadt Arnsberg von 1820 sowie der preußischen Uraufnahme von 1839 steht Arnsberg." (R. Klostermann, pers. Mitteilung 10/2014).

2. Vormaliger Name

Rahausberg, Notten Top (Bönemann 1993: 142)

3. Adresse, Karte und Anfahrt

Lage: „1/2 Meile nördlich und westlich [richtig: östlich] von Menden, 1/3 Meile s. w. von dem Dorfe Wimbern“ (Staatsarchiv Münster, Akte Nr. 343, zit. in Bönemann 1993: 144).  In Menden-Dahlsen, im Forst auf dem Noltenkopf, 30 m östlich des Jesuskreuzes, wo der Süd-Nord verlaufende Rücken des Noltenkopfes steil nach Norden abfällt, nördlich des Ansitzes (MM 09/2014, Bilder weiter unten)


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Höhenprofil der Stationen 38 bis 48: Ausschnitt aus dem Telegraphenbuch III: Abb. 5 (© MENNING et al. 2012)

Höhenprofil der Stationen 38 bis 48: Ausschnitt aus dem Telegraphenbuch III: Abb. 5 (© MENNING et al. 2012)
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Relief mit der Station 42 (Foto: MM 04/2012, Graphik: AH 04/2014)

Relief mit der Station 42 (Foto: MM 04/2012, Graphik: AH 04/2014)
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Anfahrt: (Variante 1, empfohlen) von der B7 am gelben Wegweiser „Oesbern, Barge, Werringsen“ (Bild) nach Süden 800 m auf dem Steinbergweg bis zur Kirche, die links bleibt und kurz darauf der Bauernhof, der rechts bleibt.  Weiter 200 m auf „Auf der Schier“ und dann rechtwinklig nach rechts 1200 m auf der Straße „Am Flugplatz“: alles auf geteerter Straße.  In geschwungener Kurve nach Süden der Straße „Am Flugplatz von dieser rechts abbiegen und am nahen Waldrand parken unweit der beiden bebauten Grundstücke, wo der Weg abwärts in den Wald führt (Bild unten).

(Variante 2) von der B7 nach Süden: über die Straße „Dahlsen“ und danach den „Dahlser Weg“ auf Schotterpiste aufwärts durch Wald bis auf das freie Feld am Flugplatz: Fahrzeug parken wie bei Variante 1 unweit der beiden bebauten Grundstücke südlich des Flugplatzes am Waldrand (Bild).

Koordinaten der Station: 51°27'30" N, 07°49'39" O;  R3418582,22 H5703332,53 (R. Klostermann & A. Schwarz 2008).  Wikipedia (2008) gab fälschlicherweise den Top des Großen Haar Berges an.

Koordinaten der umgesetzten Station in Werringesen: 51.457507 N, 7.846180 O (schriftl. Mitt. 01/2010 R. Klostermann)

Höhe: 275 m (R. Klostermann)

4. Station

4.1 Grundstück, Gebäude und Baumeister

Grundstück: 11,3 x 6,6 Ruthen = 74,58 preuß. Ruthen (Bönemann 1993: 142)

Gebäude: Der fast 16 m hohe Turm besaß fünf Stockwerke, damit Mastbaum und Indikatoren angeblich von den Nachbarstationen ohne Hintergrund erschienen [laut unserem Höhenprofil reichen aber selbst fünf Stockwerke nicht für einen freien Hintergrund].  Er war damit der höchste Stationsturm der ganzen Linie.  Dies lässt der Kupferstich 3 „Inspektor und Bote“ [Herbarth 1978: 103, Mathis 1995: 197] leider nur schwach erkennen (Störing 1984).

Das Gebäude glich den Stationen 38 bis 41 sowie 43 bis 44: nur der Turm hatte fünf statt die sonst üblichen zwei Stockwerke: in ihm war zusätzlich eine dritte Wohnung für einen Telegrafenboten eingerichtet (H78: 76, 79).

Bauherr: Ingenieur Wittich, Garnisonsbaudirektor in Münster (Herbarth 1978: 76)

Baumeister: Errichtung durch Maurermeister Bluth aus Iserlohn, der vor der Errichtung der Stationen 42–44 eine Kaution von 900 Reichstalern hinterlegen musste.  Er erhielt diese zurück, nachdem „er den übernommenen Verbindlichkeiten vollständig genügt hatte“ (Stadt Iserlohn – Der Stadtdirektor – Stadtmuseum 1996).

Betriebszeit: 1833 bis 1849

4.2 Personal, Ereignisse, Anekdoten, Verkauf und Neubau

Personal:

Ereignis: „Die Grundstückseigentümer Kaspar „Nolte zu Dalsen“, „Wietmann zu Dalsen“ und die Gemeinde Schwitten wollten anfangs, wie andere Betroffene auch, ihren Besitz offensichtlich nicht aufgeben. Der „Minister des Inneren und der Polizei“ sah sich in einem Rundschreiben genötigt, mit Enteignung gegen Entschädigung zu drohen … Er brauchte jedoch seine Drohung nicht wahrzumachen.  Es kam schließlich zum Kauf der außerordentlich günstig und exponiert gelegenen Grundstücke.  Allerdings musste die Witwe Nolte nach dem Tode ihres Mannes die Bezahlung mehrfach anmahnen (Bönemann 1993: 145).

Anekdote:

Verkauf: Das über einen öffentlichen Weg nicht erreichbare Gebäude wurde mit der Auflage des Abbruchs zum Höchstgebot von 135 Talern an den Vorsteher Goecke aus Oesbern versteigert (Störing 1984).  Dies gelang erst im zweiten Anlauf, wobei auch „die Utensilien (ohne Fernrohr, aber mit Telegrafenmaschine incl. allem Zubehör) für etwa 49 Taler ihren Besitzer wechselten“ (Bönemann 1993: 146).

Neubau: Aus Abbruchmaterial der Station 42 wurde die Grundschule von Werringsen in Werringsen 1, 58708 Menden errrichtet (Bönemann 1993: 146; Bild).

4.3 Heutige Nutzung, Station am Jesuskreuz, Eigentümer und Beschilderung

Heutige Nutzung: „Heute lassen sich auf dem überwucherten Grundstück nur mit Mühe Teile des alten aus Bruchsteinen gemauerten Fundamentes erahnen.  Die Steine des ehemaligen Telegrafengebäudes dienten später dem Bau der Grundschule in Werringsen“ (Bönemann 1993: 146) (Bild 4).

Die Station beim Jesuskreuz lag 30 m östlich des Jesuskreuzes, etwas nördlich vom kleinen Jagdansitz auf dem Rücken des Noltenkopfes (MM 09/2014).  Der Ort im lichten Baumbestand läßt sich am besten finden vom Jesuskreuz aus: (1) Siehe Bild 1: Blick über das Kreuz nach Westen, (2) den Hang weiter erklimmen bis zum Jagdsitz (Bild 2), (3) leicht nach links längliche schmale Eintiefung: am Ort dieser „Stationsmulde“ könnte der Keller der Station gewesen sein (Bild 3).

Eigentümer: Privatgelände (PF)

Beschilderung: noch ohne (PF)

5. Umgebung

5.1 Geographie und Fernblicke

Menden gehört zum Märkischen Kreis, in dem die Stationen 42, 43 und 44 liegen. In Wickede (Kreis Soest) überquert die Telegraphenlinie die Ruhr zwischen den Stationen 41 und 42 (Bilder bei Station 41, Punkt 9).

Beeindruckende Fernblicke belohnen für den Besuch der Station Nr. 42:
(1) Vom Noltenkopf nahe der Station Blicke nach Westen (Bilder 1 und 2 in obiger Galerie und Bild 1 der folgenden Galerie)
(2) Von der Straße „Am Flugplatz“ Blicke nach Osten zur Ruhr und nach Süden ins Sauerland (Rheinisches Schiefergebirge) (Bilder 2 bis 4 der folgenden Galerie)

5.2 Geologie

Die Station 42 stand auf einem ca. 8 km2 großen Areal mit grobklastischen (grobkörnigen), rot-braunen, fluviatilen (Fluß-) Sedimenten, die lithostratigraphisch (nach dem Gesteinshabitus) dem Rotliegend (höchstes Karbon bis Oberperm) zugerechnet werden.  Dieses „Mendener Konglomerat“ wird als Ablagerung in einem intramontanen Molasse-Becken angesehen (http://de.wikipedia.org/wiki/Menden_%28Sauerland%29#Geologie), ohne dass es dafür Fossilbelege gibt (M. Piecha 02/2010).

Im benachbarten, südlich gelegenen Balve gibt es Aufschlüsse von deutschlandweiter Bedeutung im „Balvium“, Schichten des älteren Karbons (MM).

5.3 Geschichte, Kultur, Bildung, Sehenswürdigkeiten und Tourismus

Die Burg Klusenstein südlich von Menden liegt auf einer 60 m hohen Klippe im Hönnetal.  Sie wurde im Jahr 1353 erbaut und war Grenzbefestigung der Grafschaft Mark zum angrenzenden Territorium Kurkölns und der Grafschaft Arnsberg (http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Klusenstein, 10/2014).

Die Luisenhütte Wocklum südlich von Menden im Balver Ortsteil Wocklum ist die älteste mit vollständiger Einrichtung erhaltene Hochofenanlage Deutschlands (http://de.wikipedia.org/wiki/Luisenh%C3%BCtte_Wocklum, 10/2014).

Der Sauerlandpark Hemer „ist ein etwa 27 Hektar großer Freizeitpark in Hemer, der auf dem ehemaligen Gelände der Landesgartenschau 2010 liegt“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Sauerlandpark_Hemer, 10/2014).

Das Geotop Felsenmeer Hemer nahe des Sauerlandparks „ist ein seit 1968 unter Naturschutz stehendes Gebiet, dessen zerklüfteter Untergrund erdgeschichtlich aus dem Tertiär stammt.  Es ist etwa 600 Meter lang, 200 Meter breit und liegt 45 Meter über der Talsohle“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Felsenmeer_Hemer, 10/2014).

Die Burg Rodenberg zwischen Menden und Iserlohn „war eine Spornburg und Stammsitz der Herren von Rodenberg.  Später ging sie in den Besitz der Erzbischöfe von Köln über.  Nach ihrer Zerstörung 1301 wurde sie nicht wieder aufgebaut.  Heute ist sie Ruine“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Rodenberg, 10/2014).

Das „Telegraphen-Panorama“: Von der Station Nr. 42 und vom nahen Homberg gibt es herrliche Ausblicke auf das Ruhrknie, das Sauerland, Iserlohn und die Ruhraue bei Fröden berg (Bilder).

5.4 Gewerbe und Produkte

OBO Bettermann ist ein Unternehmen mit weltweit gut 3.000 Mitarbeitern, davon rund 1.000 am Stammsitz der Firma in Menden.  Es produziert etwa 30.000 Artikel: OBO steht für Metalldübel, die „ohne bohren“ montiert werden können.  Die seit ihrer Gründung 1911 in Familienbesitz befindliche Unternehmensgruppe ist im Bereich der Elektro- und Gebäudeinstallationstechnik tätig und besitzt mehr als 30 Tochtergesellschaften in Europa und Übersee“ (http://de.wikipedia.org/wiki/OBO_Bettermann, 10/2014).

„Die HJS Emission Technology GmbH & Co KG ist ein mittelständischer Hersteller von Abgas-Systemen und Katalysatoren, vor allem für Dieselmotoren, in Menden mit rund 400 Mitarbeitern.  Die Katalysatoren [nicht zuletzt für Busse] mindern den Ausstoß von Rußpartikeln und Stickoxiden (http://de.wikipedia.org/wiki/HJS_%28Unternehmen%29).

Käpt´n Blaubär (WDR), Bert (NDR), Mitzi und Monty (Disney-Channel) und Diggy (Mosfilm-Telesto-Moscow) werden animiert vom TV- und Film-Puppenspieler Bodo Schulte, der freiberuflicher Puppenspieler, Puppenspiel-Coach, Drehbuchautor und Puppenbauer ist (http://www.bodoschulte.de/).  Seine Figuren sind naturgemäß bekannter als er selbst (R. Klostermann 10/2014)!

5.5 Gaststätten & Quartiere

Gastgeberverzeichnis von Menden [MM: öffnet extrem langsam] http://www.menden.de/dokumente/tourism/unterkuenfte/Gastgeberverzeichnis.pdf

Kult-Rösterei und Café in Menden, Hauptstraße 4 (Fußgängerzone), 58706 Menden, Tel. 023 73 – 1 76 82 49, info@kult-roesterei.de, www.kult-roesterei.de

Altes Gasthaus Hempelmann (vom „Parkplatz der Station Nr. 42“ ca. 2 km nach Süden über die Straßen „Am Flugplatz“ und „Haböcken“), Oberoesbern 25A, 58708 Menden, Tel. 023 73 – 25 44, crrpm@web.de, http://www.altes-gasthaus-hempelmann.de/

Hotel-Restaurant Alte Poststation (auf der B7 in Richtung zur Station Nr. 41), Arnsberger Straße 1, 58739 Wickede (Ruhr), Tel. 023 77 – 48 48 oder 21 45, info@alte-poststation.com, www.alte-poststation.com

Haus Lenze (am Freizeitpark), Bieberkamp 83, 58710 Menden-Lendringsen, Tel. 029 32 – 2 25 50,  kontakt@haus-lenze.de, http://www.haus-lenze.de/

Hotel Restaurant Haus Recke (am Weg zur Luisenhütte), Binolen 1, 58802 Balve-Binolen, Tel. 023 79 – 2 09,  info@haus-recke.de, http://www.haus-recke.de/

6. Kontakte

Kreisheimatpfleger Rolf Klostermann, Friedrichstr. 39, 58636 Iserlohn, Tel. (Fa.): 02 11 – 53 41 106,  Mobil 01 72 – 2 40 02 31, rolf.klostermann@vodafone.de

Dr. Theo Bönemann Sauerlandstr. 15, 58706 Menden, Tel. 023 73 – 61 3 65, boenemann@gmx.de, www.hönnetal.com

7. Information

7.1 Internet

www.menden.de/kfb/kultur/mat/museen/index.php

7.2 Schriften

Bönemann, T. (1993): Post im Sauerland. Eine historische Rückblende. Menden – Balve – Fröndenberg – Neuenrade. – Menden (Selbstverlag Bönemann, 58706 Menden, Sauerlandstr. 15).

Störing, H. (1984): Die Telegrafenstation Nr. 44 in Veserde bei Wiblingwerde und ihre Nachbarstationen. – Beiträge zur Heimat- und Landeskunde, Heimatbuch zum Kreisheimattag ´84; Nachrodt-Wiblingwerde (Heimatbund Märkischer Kreis).

8. Öffnungszeiten

allzeit zugänglich

9. Zur Station Nr. 43

Luftlinie: 14,4 km und zur Station 41: 10,4 km (TBIII: Tab. 2)

Telegraphenradweg: ? km (Autor ?)

Telegraphenstraße: ? km und ? m Fußweg (Autor ?)