Station 24: Hahausen Osterköpfe

1. Zuordnung

Wappen

2011 Bundesland Niedersachsen (NI), Landkreis Goslar (GS), Samtgemeinde Lutter am Barenberge, Gemeinde Hahausen (http://de.wikipedia.org/wiki/Hahausen)

1835 Herzogtum Braunschweig, Ortsbereich Hahausen, Stationsstelle Osterköpfe (H78: 47)

2. Namen

Auf dem Telegrafen (http://hahausen-harz.com/telegrafenlinie.htm); „Telegrafen“ (Brief von NN an Ulrich Flachs (Wernigerode), undatiert, Beschaffung: PF 04.11.2008)

3. Lage, Anfahrt und Fußweg, Koordinaten und Karte

Lage: Nahe der Nordwestspitze des Harzes, nördlich Seesen, südöstlich Bockenem.

Anfahrt und Fußweg sind am ehesten zu finden mit Hilfe eines Navis (Koordinaten eingeben): Von der B 248 nördlich von Hahausen auf die L594: durch Wiesen und Felder und dann kurvenreich aufwärts ca. 600 m im Wald: in scharfer Rechtskurve der L594 diese geradeaus verlassen und parken.  Weiter zu Fuß knapp 1000 m aufwärts laufen.  Links in den Wald eintauchen auf einem kaum wahrnehmbaren, zunächst feuchten Weg/Pfad (Bild) nach Süden bis auf die höchste Kuppe gehen.

Position A: Zentral auf dem Plateau des Bergrückens südlicher Osterkopf, 850 m nordwestlich des Ortszentrums von Hahausen zwischen der B82 im Süden und der L 594 im Norden (W. Hahn, Liebenburg).  Leicht nördlich des „Bohlwegs“ (vgl. Karte 2 der folgenden Galerie).
„Auf dem Osterkopf bei Hahausen, auf der südlichsten Kuppe eines schmalen Bergrückens nördlich des Dorfes Hahausen“ (H78: 104).

Koordinaten A: 51°57'17,5" N,  10°12'31,0" O (W. Hahn 2009)
WH ist sich sicher am 15.12.2011, dass diese Position stimmt.

Höhe: 320 m (W. Hahn)

Größere Kartenansicht

Position B: Davon abweichend gab Wikipedia ( http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stationen_des_preußischen_optischen_Telegrafen, 08.05.2008, 01.05.2011) irrtümlich eine Position südwestlich von Hahausen, südlich der B82 und nordwestlich der B248 auf dem Langenberg an, 2 900 m südlich des Standortes auf den Osterköpfen.  Die Koordinaten dazu von 51°56'31" N,  10°12'38" O sind in Wikipedia zwischenzeitlich gegen die Koordinaten A ausgetauscht worden.

Position C: Der höchste Punkt auf den Osterköpfen mit 321,8 m über NN (http://hahausen-harz.com/telegrafenlinie.htm).  MM 12/2014: Auch diese Position muss korrigiert werden, denn der „höchste Punkt“ liegt auf dem nördlichen Osterkopf mit 328 m (Höhe: ADFC Fahrradkarte), die Station stand auf dem südlichen Osterkopf.

Höhenprofil der Stationen 19 bis 30: Ausschnitt aus dem Telegraphenbuch III: Abb. 5 (© MENNING et al. 2012)

Höhenprofil der Stationen 19 bis 30: Ausschnitt aus dem Telegraphenbuch III: Abb. 5 (© MENNING et al. 2012)
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4. Station

4.1 Grundstück, Gebäude und Bauherr

Grundstück 1: Im Mai 1833 sollte Oberförster von Unger in Seesen O' Etzel behilflich sein, Standorte für Telegraphenstationen zu bestimmen, so auf den „Osterköpfen über Hahausen“ (Quelle: Staatsarchiv Wolfenbüttel: NStW 129 Neu 7 Nr. 1a, Beschaffung: S. Heise 24.01.2014)

Grundstück 2: „auf herrschaftlichem Forstgrunde gelegen, welcher bislang zu keiner Gemeinde gehört."  Entfernung des Telegraphengebäudes von Hahausen 1/2 Stunde, von Nauen 3/4 Stunde, von Lutter 1 1/2 Stunden (Schreiben Amt Lutter an Kreisdirektion Gandersheim 02/1846, Quelle: Staatsarchiv Wolfenbüttel: NStW 129 Neu 7 Nr. 1a, Beschaffung: S. Heise 24.01.2014)

Grundstück 3: Das Grundstück für die Station war 40 Quadratruten (etwa 570 qm) groß (H78: 104)

Die Stationsmulde 2008 (Foto und Montage: WH)

Die Stationsmulde 2008 (Foto und Montage: WH)

 

Gebäude: Wohngebäude aus Fachwerk mit vier Stuben, zwei Kammern, zwei Küchen und zwei Kellern, zweistöckiger Turm und Holzstall.  Baukosten: 2355 Taler (H78: 104)

Bauherr: Ingenieurhauptmann Wittich, Garnisonsbaudirektor in Münster (H78: 76)

Betriebszeit: 1833 bis 1849

4.2 Personal, Hau von Durchsichten (Anlage von Sichtschneisen), Pachtwald, Verkauf und Umsetzung

Personal 1: Obertelegraphist Sylvester Böttcher, Untertelegraphist Adolph Menzel und dessen Ehefrau Albertine, geb. Zimmermann (Staatsarchiv Wolfenbüttel, Beschaffung: W. Hahn 10/2008).  Johann Gottfried Koschel (1834) (schriftl. Mitt. H. Drope 16.02.2010).

Personal 2: 12 Personen wohnten 1843–45 in der Station.  Zum Anbau von Nährpflanzen war zusätzlich Land gepachtet (W. Hahn, schriftl. Mitt. 18.07.2012)

Personal 3: Das Gebäude wird nur von den "Officianten", welche den Telegraphen zu bedienen haben, und deren Familien bewohnt.  Officianten: Ober- und Unter-Telegraphist sind preußische Staatsdiener und preußische Staatsangehörige, die Bewohner sind keine Landeskinder, sondern Fremde. "...die Aufsicht darüber, daß die Telegraphisten für eine gehörige Erziehung und Bildung ihrer Kinder sorgen, ist demjenigen Staate zu überlassen, dem sie angehören" (Schreiben Amt Lutter an Kreisdirektion Gandersheim 02/1846, Quelle: Staatsarchiv Wolfenbüttel: NStW 129 Neu 7 Nr. 1a, Beschaffung: S. Heise 24.01.2014).

Personal 4: Interesse der Gemeinden erfordert nicht, dass die Officianten in einen hiesigen Gemeinde- oder Schulverband aufgenommen werden, "so muss es diesen Officianten lediglich überlassen bleiben, zu welcher Kirche sie sich halten und in welche Ortsschule sie ihre Kinder schicken wollen (Schreiben Braunschweig-Lüneburg Staats-Ministerium März 1846, Quelle: Staatsarchiv Wolfenbüttel: NStW 129 Neu 7 Nr. 1a, Beschaffung: S. Heise 24.01.2014).

Zwei Durchsichten mussten in eine 12- bis 15jährige Schonung gehauen werden .  Die hierfür gerodete Fläche betrug sieben Waldmorgen, die zum Ackerbau geeignet waren und verpachtet wurden an den Obertelegraphisten Böttcher und den Untertelegraphisten Menzel (H78: 104).

Pachtwald (Staatsarchiv Wolfenbüttel, Beschaffung: W. Hahn 10/2008): Eine Neu-Verpachtung freigestellter Waldfläche erfolgte am 25. März 1843 auf 9 Jahre von Ostern 1843 bis Ostern 1852


lfd. Nr.

Größe in
Ruten

Stück-Nr.

Altpächter

Neupächter

01

60

1

Hausschlächter Schwelendieck

Obertelegraphist Sylvester Böttcher

02

60

2

Hausschlächter Schwelendieck

selbst

03

60

3

Brinksitzer Friedrich Pümpel

selbst

04

60

4

Großköther Carl Noelpe

selbst

05

60

5

Großköther Carl Noelpe

selbst

06

60

6

Kleinköther Heinrich Buhse

Großköther Carl Noelpe

07

60

7

Brinksitzer Christian Wehrstedt

Albertine Wenzel (Ehefrau des Untertelegraphisten)

08

46

8

Brinksitzer Christian Wehrstedt

Großköther Carl Noelpe

09

60

9

Tischlermeister August Ernst

Albertine Wenzel (Ehefrau des Untertelegraphisten)

10

60

10

Tischlermeister August Ernst

selbst

11

60

11

Brinksitzer Christian Wehrstedt

Tischlermeister August Ernst

12

60

12

Hausschlächter Schwelendieck

Brinksitzer Friedrich Pümpel

13

60

13

Großköther Christian Illers

Tischlermeister August Ernst

14

60

14

Großköther Christian Illers

Brinksitzer Friedrich Pümpel

15

60

15

Brinksitzer Friedrich Pümpel

selbst

16

77 ½

16

Brinksitzer Friedrich Pümpel

selbst


Verkauf
: „Auf Vorschlag der preußischen Telegrafendirektion vom 07.01.1850 sollte die Station Nr. 24 auf Abbruch verkauft werden.  Der Käufer hatte das Gebäude danach innerhalb von zwei Montanen abzureißen; Grund und Boden überwies man an die Direktion der Forsten und Jagden zurück.  Ein vom Obertelegrafisten Böttcher privat errichteter kleiner Stall wurde gesondert verkauft.  Das von beiden Telegrafisten gepachtete Ackerland übernahmen Einheimische aus Hahausen“ (H78: 104).

Umsetzung des Gebäudes in die Straße Am Berge 8, 38729 Nauen/Samtgemeinde Lutter a. Bbge., Eigentümer Fam. Ristig, Lage 52°58.651' N, 10°13.664' O (schriftl. Mitt. Wilfried Hahn 01/2010)!

4.3 Heutige Nutzung Eigentümer und Beschilderung

Nutzung: Buchenwald

Eigentümer: Forst (?)

Beschilderung: ohne

5. Umgebung

5.1/2 Geographie und Geologie

Hahausen liegt am Nordwestende des Harzes.  Infolgedessen kreuzen sich hier die den Harz tangierenden Bundesstraßen B 248 (Nord-Süd) und B 82 (West-Ost) und die Eisenbahn verzweigt sich in Richtung Lutter am Barenberge und Goslar.

Einen schönen Blick von den Osterköpfen auf Hahausen und seine waldreiche Umgebung bietet http://www.hahausen.de/home2.htm.

Die Station Nr. 24 liegt im Innerstebergland (Liedtke 2003), das mit dem Einzugsgebiet der Innerste definiert ist (Karte 12/2014 in: http://de.wikipedia.org/wiki/Innerstebergland, Höhenprofil in Kapitel 3).  Die Innerste durchfließt in ihrem Unterlauf als größte Stadt Hildesheim und mündet südlich von Hannover in die Leine.  Die Telegraphenlinie kommt aus dem Nördlichen Harzvorland, quert das vor allem mit Buchen bestandene Innerstebergland und setzt fort im Leinebergland, wobei die Station Nr. 24a auf der Wasserscheide von Innerste und Leine steht.

Im Zentrum des Innersteberglandes befindet sich der fruchtbare Ambergau, eine Niederungslandschaft mit sehr guten Böden.  Das Bergland besteht aus gut abgrenzbaren Höhenzügen, die oft Schichtstufen darstellen und die sich für Telegraphenstandorte hervorragend eignen.  Nicht von ungefähr gibt es hier den größten Abstand zwischen zwei Stationen, nämlich mit 16 km zwischen den Stationen 23 und 24 (TB III: 15, 25).  Noch größer war mit 21,7 km der Abstand der Stationen 24 und 25, so dass 1842 die zusätzliche Station 24a zwischen sie gesetzt wurde (Bild).

Die Station steht auf Unterem Muschelkalk.

Im Innerste-Bergland liegt eine Vielzahl heute stillgelegter Steinbrüche, in denen, z. T. seit dem Mittelalter, Sand- und Kalksteine aus Trias, Jura und Kreide abgebaut wurden (J. Lepper 01/2015).

Geologische Wanderkarte 1:100 000 Braunschweiger Land, 1984 (Geologie: LOOK, E.-R., JORDAN, H., KOLBE, H. & MEYER, K.-D.) (1984); Stadtverwaltung Königslutter, Am Markt 1, 38154 Königslutter.

Geologische Wanderkarte 1:100 000 Braunschweiger Land, 1984 (Geologie: LOOK, E.-R., JORDAN, H., KOLBE, H. & MEYER, K.-D.) (1984); Stadtverwaltung Königslutter, Am Markt 1, 38154 Königslutter.
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Geologische Übersichtskarte 1:200 000 (GÜK 200) Braunschweiger Land, 1986.  © BGR, Beschaffung: S. Wansa 04/2014, Markierung der Telegraphenlinie: AH.

Geologische Übersichtskarte 1:200 000 (GÜK 200) Braunschweiger Land, 1986. © BGR, Beschaffung: S. Wansa 04/2014, Markierung der Telegraphenlinie: AH.
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5.3 Geschichte, Kultur, Bildung, Sehenswürdigkeiten und Tourismus

Im 30-jährigen Krieg fand die „Schlacht bei Lutter am Barenberge“ (http://www.wolfgangroehl.de/Lutter/Die_Schlacht_bei_Lutter_am_Barenberge--27August1626.pdf) direkt nördlich von Hahausen in Richtung Lutter am Barenberge in der Aue der Neile statt, wobei die kaiserlichen Truppen unter Tilly auch den Osterkopf besetzt hielten, auf dem 1833 die Station Nr. 24 errichtet wurde.  Am 27.08.1626 wurde dort das protestantische Heer unter dem Dänenkönig Christian IV. vernichtend geschlagen.  An den dänischen General Fuchs erinnern eine Gedenktafel und ein Gedenkstein (http://www.hahausen-harz.de/schlacht.htm, mit Karte der Schlacht).

Das ehemalige Benediktinerkloster Lamspringe, ersterwähnt 872 als Nonnenkloster, ist überregional bekannt.  Die heutige Kirche schufen englische Mönche im 17. Jh. (http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Lamspringe).

Von Hahausen erreicht man entlang des Harzes Seesen über die B248 und weiter über die B242 den Oberharz mit dem „Oberharzer Wassergegal“ (http://www.ohwr.de/start.html), das zum UNESCO Kultur- und Naturerbe gehört.  Es gilt als mit Abstand größtes und bedeutendstes vorindustrielles Energieversorgungssystem der Welt.  Das Wasser im Oberharz trieb bereits vor 800 Jahren die Wasserräder der Bergwerke und Hütten an.  Bergleute legten dafür rund 150 Teiche, 500 km Gräben sowie 160 km untererdische Wasserläufe an, von denen viele für Besucher erschlossen sind.  Einbezogen in dieses UNESCO-Welterbe ist u. a. die Grube Samson in St. Andreasberg (http://www.harzlife.de/tip/grube_samson.html) mit der letzten erhaltenen Fahrkunst der Welt zur Beförderung von Bergleuten (http://www.prosieben.de/tv/galileo/videos/die-fahrkunst-in-der-grube-samson-clip).

Die Bodensteiner Klippen erstrecken sich über ca. 4 km in N-S-Richtung zwischen Bodenstein und dem Jägerhaus im Hainberg.  Sie bestehen aus Hilssandstein der Unterkreide, der größtenteils in die untere Albium-Stufe gehört und ca. 110 Millionen Jahre alt ist.  Man erreicht die Klippen von Hahausen über Lutter am Barenberge (B 248) und von dort Richtung Bockenem bis Bodenstein (B 243a) (http://www.geopark-harz.de/pdf/Bodensteiner_Klippe.pdf).

Hildesheim (100 000 Einwohner) ist einen Abstecher nach Norden wert mit seinen historischen Bauten wie dem Dom und der Michaeliskirche (ottonisch), die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören (www.hildesheim.de/, http://de.wikipedia.org/wiki/Hildesheim).  Die St.-Andreas-Kirche hat den höchsten Kirchturm Niedersachsens.  Der „tausendjährige“ Hildesheimer Rosenstock an der Domapsis ist das Wahrzeichen der Stadt.  Die „Stadt der Rosen“ erkundet man gut über einen Weg, der durch Rosen im Pflaster markiert ist.

5.4 Gewerbe und Produkte

http://www.hahausen.de/firmen.htm

5.5 Gaststätten und Quartiere

nach http://www.hahausen.de/firmen.htm:

Annes Bauerncafé, 38729 Lutter/Nauen, Im Dorfe 9, Tel. 053 83 – 15 60, Inh. Annegret Fricke

Café Harzblick – das gemütliche Café in der Reithalle, 38729 Hahausen, Oberdorf 13a, Tel. 053 83 – 14 58, Mobil: 01 74 – 1 95 07 69, Inh. Regina Mull

6. Kontakte

Wilfried Hahn,  Reißaus 15, 38704 Liebenburg,  Tel. 0 53 46 – 91 22 77, telegraph-lewe@t-online.de

Siegfried Bohnsack,  Rük 17, 37581 Altgandersheim,  Tel. 053 82 – 55 13

7. Informationen

7.1 Internet

http://www.hahausen-harz.de/telegrafenlinie.htm

7.2 Schrift

Stadt Königslutter, Naturhistorische Gesellschaft Hannover & Niedersächsisches Landesamt Für Bodenforschung (Hrsg.; Geologie: Look, E.-R., Jordan, H., Kolbe, H. & Meyer, K.-D.) (1984): Geologische Wanderkarte 1:100 000 Braunschweiger Land. Nördliches Harzvorland, Asse, Elm-Lappwald, Peine-Salzgitter, Allertal. – Stadtverwaltung Königslutter, Am Markt 1, 38154 Königslutter.

8. Öffnungszeiten

frei zugänglicher Forst

9. Zur Station 24a

Luftlinie: 10,7 km und zur Station 23: 16,0 km (TBIII: 15, 25)

Telegraphenradweg: ? km (Autor ?)

Telegraphenstraße: ? km und ? m Fußweg (Autor ?)