Station 22: Schladen Heiligengraben

1. Zuordnung

2007 Bundesland Niedersachsen (NI), Kreis Wolfenbüttel (WF); Samtgemeinde Schladen http://schladen.samtgemeinde-schladen.de/http://www.samtgemeinde-schladen.de/content/samtgemeinde

1835 Königreich Hannover, Kreis Goslar, Ortsbereich Schladen, Stationsstelle Buchladen (Herbarth 1978: 46/47)

2. Name

Der bisherige Name Buchladen ist obsolet, denn „Buchladen“ ist ein Buchenwald nördlich der L500, während die Station Nr. 22 südlich der L500 lag (Bild).

Südlich der L500 liegt das Flurstück „Heiligengraben“ (Kupon-Karte 1871, Liegenschaftskarte 2010): dort lag zweifelsfrei die Station Nr. 22 (Bild).

Fälschlicherweise hat man hinter „Buchladen“ wohl auch ein Geschäft für Bücher in der Grünstraße 5 in Schladen vermutet.  In der Grünstraße 5 steht aber lediglich ein Wohnhaus, das nach Herbarth (1978: 127) aus Abbruchmaterial der Station 22 errichtet worden ist (Bild) (MM).

3. Anfahrt Fußweg, Lage, Adresse, Koordinaten, Höhe und Karten

Anfahrt und Fußweg: A395 Anschluss Schladen Nord, 520 m nach Westen Richtung Liebenburg auf der L500 fahren.  Das Parken an der L500 vor dem rechter Hand liegenden ehemaligen Gasthof am Südrand des „Buchladens“ ist nicht gestattet, jedoch alternativlos.
Von südlich der L500 Richtung hier in Richtung Autobahn gehen (100 m, kein Trampelpfad).

Lage: Die Lage ergibt sich eindeutig durch die Kombination der folgenden vier Informationen aus den Jahren 2008 bis 2011:
(1) leicht südlich der Landstraße 500 (L500) in der nordwestlichen Ecke des Waldes (Wilfried Hahn mündliche Information 09/2008 (Bild „Im Heiligengraben“), Studium von Akten 04/2010 (Bild „Handskizze“).
(2) Kupon-Karte von 1871 mit zwei Grundstücken direkt südlich der L500 in der NW-Ecke der Flur „Heiligengraben“ (Recherche: Sibylle Heise im Katasteramt Wolfenbüttel, Information über Henning Meyer 04/2010) (Bild „Kupon“).
(3) „Auf der Höhe des Förstergartens, südöstlich vom Buchladen stand vor Einführung der Telegraphie ein optischer Telegraph…“ (Brückmann 1917: 272, Information: S. Heise 12/2010).
(4) Die Kürzel auf der Kupon-Karte von 1871 dürften bedeuten: AdF – Anwesen des Försters, GdF – Garten des Försters (S. Heise 6.1.2011).

Das Anwesen des Försters ist somit der heute bewaldete nordwestlichste Zipfel der Flur „Heiligengraben“. Es ist deckungsgleich mit dem der Station Nr. 22, die nur 10 m südlich der L500 lag.

Zwischenzeitlich wurde auch eine alternative Lage 60 m südlich der L500 erwogen, ebenfalls in der bewaldeten Flur „Heiligengraben“ und ebenfalls nahe der Grenze zur Ackerflur „Der Schliepkamp“ gelegen (nach Meßtischblatt von 1857/73; Information: S. Heise 04/2009) (Bild).  Doch die Genauigkeit dieses Messtischblatts scheint, aus heutiger Sicht, eher gering.

Kurzzeitig war als Standort auch der Blockenberg angenommen worden, der weiter südlich liegt (W. Hahn, in Gereke 7.7.2008), doch wurde dies rasch korrigiert (W. Hahn, 5.9.2008, schriftl. Mitt.).

Adresse: ohne

Koordinaten: 52°01'31,4" N,  10°30'59,8" O  (Sibylle Heise, Wilfried Hahn & Henning Meyer (in: Menning et al. 2011).

Höhe: 138 m (Katasteramt Wolfenbüttel, Herwig Rassmann)

Adresse Neubau I: Grünstr. 5 in 38315 Schladen (östlich der A395) (Herbarth 1978: 127)

Adresse Neubau II: Am Hagenberg 2, 38315 Wehre (Wilfried Hahn, in: Menning et al. 2011)


Größere Kartenansicht

4. Station

4.1 Gebäude, Grundstück, und Baumeister

Gebäude: Fachwerk, gemauert, zweistöckiger Turm (siehe Bilder „Gemälde“).  Leider zeigt die Kupon-Karte von 1871 keinen Turm: nach W. Hahn (in: Menning et al. 2011) hatte er Nordlage.

Grundstück:

Baumeister: Ingenieur Hauptmann und Garnisonsbaudirektor Gottlieb Heinrich Ferdinand Heise (1788–1843) von der 2. Ingenieur-Inspektion und Premier-Leutnant Lindner von der dritten Pionierabteilung, beide vom IV. Armeekorps in Magdeburg (Herbarth 1978: 63)

Betriebszeit: 1833 bis 1849

4.2 Personal, Verkauf und Neubau

Personal: Als Telegraphenbeamter war ein Herr Vollmar angestellt, dessen Töchter Agnes und Clara sind die Gründerinnen des über ganz Deutschland verbreiteten Vereins „Heimat für Frauen und Mädchen gebildeter Stände“.  Agnes Vollmar wurde am 22. Mai 1836 auf dem Buchladen geboren und ist im Februar 1909 in Berlin verstorben (Brückmann 1917: 272 ff, Information: S. Heise 12/2010).

Verkauf: 1849 auf Abbruch verkauft (Herbarth 1978: 127)

Neubau Variante 1: Herbarth (1978) zeigt die Station auf Seite 111 (Abb. 152) und gibt auf Seite 127 als heutige Adresse „Schladen, Grünstr. 5“ an. Er schreibt dort: „Sowohl im Grundriß als auch im Aufbau wurde das Haus jedoch bei der Neuerrichtung verändert, so dass lediglich ein Großteil der Bausubstanz an die ursprüngliche Telegrafenstation erinnert.  Der ausgebaute Erker mag wohl durchaus an den ehemaligen Telegrafenturm erinnern, der architektonische Gesamtzusammenhang stimmt jedoch nicht.“

„In einem Balken des Hauses befindet sich das Monogramm des Bauherrn Friedrich-Wilhelm III, dies könnte für ein transloziertes Telegraphenhaus sprechen“ (S. Heise, 22.01.2011).

Neubau Variante 2: W. Hahn (schriftl. Mitt. 01/2010) nennt als neue Adresse: Am Hagenberg 2, 38315 Wehre/Samtgemeinde Schladen, Eigentümer Fam. Strelow, Lage: 52° 0.372'N, 10° 30.080'O.

Aquarell Telegrafenstation:
(1) „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Caroline Schwabe ein Bild von der Telegrafenstation [Nr. 27], in der sie bis zu ihrer Heirat gelebt hat, mit nach Hornburg genommen hat. Heute befindet sich ein derartiges Bild in Besitz eines Privatmannes in Hornburg. Er hat es von seinem Vater erhalten, dieser 1918 oder früher von seinem Freund Siegmund Schwabe, dem letzten in Hornburg lebenden Angehörigen der Familie Schwabe. So liegt der Schluss nahe, dass es ursprünglich aus dem Besitz der Tochter des Obertelegraphisten Otto, Caroline Schwabe, stammt. Das Bild hat eine Grösse von 13 cm (Höhe) und 15 cm (Breite). Der Bildträger, Papier, ist stark verbräunt, die Darstellung erfolgte wohl mit Temperafarben. Technische Mängel lassen den Schluss zu, dass es von einem Laien hergestellt worden ist. In diesem Fall ist das ein Vorteil, da Laien in der Regel realistische Darstellungen bevorzugen. Höchstwahrscheinlich ist also auf diesem verschlungenen Weg ein zeitgenössisches Bild der Station 27 des optisch mechanischen Telegraphen nach Hornburg gelangt, einem Ort, der ebenfall an dieser Telegraphenlinie gelegen hat“ (Heise 2008).

(2) „Aus dem Besitz von Siegmund Schwabe in Hornburg stammend.  Siegmund Schwabe war der letzte Mann der ehemal. Jüdischen Gemeinde in Hornburg und hat bis zu seinem Tod (ca. 1916) deren Besitz betreut.  Er war verwandt mit dem Juden Jacob Schwabe, der die Tochter des Obertelegraphisten Otto von Station 27, Caroline Wilhelmine Louise Otto, geheiratet hat.  Meines Erachtens nach ist es eher wahrscheinlich, dass auf dem Aquarell die Station 21 oder 27 dargestellt ist, nicht aber die Station Nr. 22“ (S. Heise 22.01.2011).

4.3 Heutige Nutzung Eigentümer und Beschilderung

Nutzung: Wohnhaus

Eigentümer: s. 4.2

Beschilderung: noch ohne
optimal wären mehrere Informationstafeln und Wegweiser

5. Umgebung

5.1 Geographie

Nördliches Harzvorland (Liedtke 2003).

5.2 Geologie

Oberkreide: Kreidepläner-Schichtrippe (Jochen Lepper 14.10.2008)

5.3 Geschichte, Kultur, Bildung, Sehenswürdigkeiten und Tourismus

- In Schladen war vor 6000 Jahren eine Siedlung der Brandkeramiker: http://schladen.samtgemeinde-schladen.de/

- In der Werlaburg wurden bis ins 11. Jh. die Reichstage der deutschen Fürsten abgehalten. Heinrich I. und mehrere Sachsenkaiser wohnten hier: http://schladen.samtgemeinde-schladen.de/

- Im Gasthof an der L500 wurde 1784 der klassizistische Architekt Leo von Klenze geboren (http://de.wikipedia.org/wiki/Leo_von_Klenze) (Bild).  100 m östlich dieses Gasthofes wurde 1833 die Telegrafenstation Nr. 22 errichtet.

- Der berühmteste Sohn der Gesamtgemeinde Schladen ist Pabst Clemens II (1005–1047) aus Hornburg: http://schladen.samtgemeinde-schladen.de/content/samtgemeinde/buergerservice/aktuelles/index_ger.html?anzeigen=e7218

- Die Kreisstadt Wolfenbüttel (www.wolfenbuettel.de/) ist das Kultur- und Verwaltungszentrum des Landkreises Wolfenbüttel (http://www.lk-wolfenbuettel.de/)

- Die Kleinstadt Vienenburg liegt südlich von Schladen an dem Weg über die A395 nach Bad Harzburg.  Sie besitzt den ältesten noch erhaltenen Bahnhof Deutschlands, in dem sich heute ein Eisenbahnmuseum befindet.

5.4 Gewerbe und Produkte

Die größte Schlangenfarm Europas in Vienenburg kann täglich besucht werden: http://www.harzcard.info/live/partnereinrichtungen/erlebnisse-im-harz-3/schladen-schlangenfarm.php?page=&kat=4&town=

5.5 Gaststätte

- Restaurants & Gaststätten:
http://www.samtgemeinde-schladen.de/content/hornburg/tourismus/restaurants__gaststaetten/index_ger.html?raw=Gastst%C3%A4tten&ZMS_HIGHLIGHT=raw

- Hotels, Gasthöfe und Pensionen:
http://www.samtgemeinde-schladen.de/content/samtgemeinde/tourismus/uebernachtungsmoeglichkeiten/hotels_gasthoefe_und_pensionen/index_ger.html?raw=Hotels&ZMS_HIGHLIGHT=raw

6. Kontakte

6.1 Samtgemeinde Schladen, Andreas Memmert, Amtsdirektor und Samtgemeindebürgermeister, PF 40, 38313 Schladen,  Tel. 053 35 – 8 01 50 andreas.memmert@schladen.de
Henning Meyer, Am Weinberg 9, 38315 Schladen,  Tel. 053 35 – 8 01 73 henning.meyer@schladen.de, Postfach 40, 38313 Schladen

6.2 Stadtarchiv Hornburg, Dr. Sibylle Heise, Montelabbateplatz 1, 38315 Schladen-Hornburg,  Tel. 053 34 – 15 07, stadtarchiv@schladen.de

6.3 Wilfried Hahn, Reißaus 15, 38704 Liebenburg,  Tel. 053 46 – 91 22 77, telegraph-lewe@t-online.de

7. Informationen

7.1 Internet

www.schladen.samtgemeinde-schladen.de

7.2 Schriften / Video etc.

Brückmann, O. (1917): Buchladen. – In: Blume, H. (Hrsg.): Engere Heimat. Beitrag zur Geschichte der ehemaligen Ämter Liebenburg und Wöltingerode. 3. Aufl.: S. 272 ff.; Salzgitter.

*Gereke, A. (2008): Militär-Geheimnisse via Vorharz. Botenlose Nachrichtenübermittlung: Wilfried Hahn erforscht die Königlich Preußische Telegraphenlinie. – Goslarsche Zeitung, 7.7.2008; Goslar.

*Heise, S. (2008): Band der Liebe wurde schließlich anerkannt. – Anzeigenblatt für das Wirtschaftsgebiet Hornburg–Schladen und Umgebung. – 56, 36/62; Hornburg (21.08.2008).

*Heise, H. & Hübsch, I. (2003): Die Station der ehemaligen optisch-mechanischen Telegrafenlinie. – In: Hornburg – Geschichten und Geschichte: 52–61; Hornburg (stadtarchiv@schladen.de).

Mohr, K. (1989): Die klassische Quadratmeile der Geologie. Geologische Wanderungen um Goslar, Bad Harzburg, Clausthal-Zellerfeld und Altenau: 77 S.; Hannover (Niedersächsische Akad. Geowiss.). ISBN 0936 – 7063

8. Öffnungszeiten

jederzeit zugänglich

9. Zur Station Nr. 23

Luftlinie zur Station 23: 6,5 km und zur Station 20: 5,5 km (PS)

Telegraphenradweg: ? km (Autor ?)

Telegraphenstraße: ? km (Autor ?)