Station 2: Berlin-Dahlem St. Annenkirche/Dorfkirche

1. Zuordnung

2007 Bundeshauptstadt Berlin (B);  Stadtbezirk Steglitz-Zehlendorf

1835 Königreich Preußen, Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Teltow, Ortsbereich Dahlem, Stationsstelle Kirche (Herbarth 1978: 46/47)

2. Namen

Dahlem, Dorfkirche Dahlem, Dorfkirche St. Annen

3. Standort, Anfahrt, Koordinaten, Höhe und Karte

Standort: Königin-Luise-Straße Ecke Pacelliallee

Anfahrt: U3: Dahlem-Dorf; Taxistand; Bus 110, X11, X83

Koordinaten: 52°27'31,2 N,  13°17'11,2" O

Höhe: 50,5 m HNH (Umfeld der Kirche; A. Kolberg 01/2009)

Größere Kartenansicht

Höhenprofil der Stationen 1 bis 13: Ausschnitt aus dem Telegraphenbuch III: Abb. 5 (© MENNING et al. 2012)

Höhenprofil der Stationen 1 bis 13: Ausschnitt aus dem Telegraphenbuch III: Abb. 5 (© MENNING et al. 2012)
Druckfähige Auflösung (2000x816), 822 KB

4. Station

4.1 Grundstück, Gebäude, Einbau der Station und Baumeister

Grundstück und Gebäude: 1832 war der Besitzer von Dahlem, Minister von Beyme, bereit, Baugrund für die Station unentgeltlich bereitzustellen.  „O´Etzel entschloss sich aber, den Telegrafen auf dem Turm der St. Annenkirche zu errichten, da von hier die ca. 10 km Luftlinie entfernt liegende Anfangsstation auf der Berliner Sternwarte gut zu erkennen war (Fuchs 2006: 15).
Einbau der Station: Über der Glockenstube richtete man einen quadratischen Raum als Beobachtungszimmer und Unterkunft für die Telegrafisten ein.  Für die Telegrafenanlage wurde ein 45 Fuß langer Holzmast eingebaut, der 30 Fuß (9,40 m) über das Stationsdach hinausragte (Fuchs 2006: 15).

Ein Missverständnis ist, dass der Mast an der Ostseite des Turms und südlich des Dachfirstes des Kirchenschiffs befestigt war (Bild).  Dies ist eine Täuschung, hervorgerufen durch die Überlagerung von Mast und Schornstein für das Beabachtungszimmer! Eine Befestigung des Mastes an der Außenwand des Turms würde eine Bedinung der Signalanlage ausschließen!

Baumeister: Major von Hessenthal, Commandeur, und Premier-Leutnant Buchard von der Garde-Pionier-Abteilung (Herbarth 1978: 63)

Betriebszeit: 1832 bis 1849

Personal: Telegrafist Höft (1833), Untertelegrafisten Tetzlaff und Ulbig (Kirchenregister Ev. Gemeinde Schmargendorf/Dahlem) (PF)

Telegrafisten traten als Taufpaten auf (zumindest ein Mal, Quelle).

4.2 Heutige Nutzung, Eigentümer und Hinweise

Kein Hinweis auf die Telegrafenzeit.

4.3 Ereignisse und Anekdoten

Ursprünglich zum Stift Coswig;  Fresken, vorreformatorisch übermalt;  Anna mit Maria und Jesus: „Anna zu dritt“;  Altarbild.

1832 enthält die Chronik des damaligen Pfarrers Christoph G. Ritter folgenden Vermerk: ”Auf dem Kirchturm zu Dahlem ward der Telegraph errichtet, welcher anfangs für den Gottesdienst einige Störungen verursachte” /11/.  Da die Bewohner die geheimnisvollen Zeichen nicht deuten konnten, standen sie der neuen Technik zunächst sehr skeptisch gegenüber.  Besonders die alten Dahlemer hielten die Telegrafenmaschine angesichts der sich geheimnisvoll bewegenden Flügel gar für ”Deiblswerk”.  Da auch die Telegrafisten bei Nachfragen sich hinter dem “Dienstgeheimnis” versteckten, war es an dem Dahlemer Lehrer, die Dorfbewohner  aufzuklären: “Es ist der neue Staats-Telegraph, der Staats-Depeschen und militärische Depeschen von Berlin nach Magdeburg und in neuester Zeit gar bis Koblenz an den Rhein befördert...”/11/ (Chill 1936) (PF)

Ein Stadtführer durch Berlin von 1883 vermerkt: „Wir stiegen die Treppe hinan, sie führt zugleich zur Wohnstube des ehemaligen Telegraphisten, nach dessen Akten man den Bodenraum der Kirche vergeblich durchsucht hat“ (Dominik 1883). (PF)

Heute ist die St. Annenkirche vor allem ein Ort der Erinnerung an Martin Niemöller: „Niemöller hat den kirchlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die „Deutschen Christen“ geprägt.“  „„Kirchenkampf“ hieß und heißt exemplarisch: Pfarrer Martin Niemöller in der Gemeinde Dahlem“ (Karl Barth).

1934 „Dahlemer Bekenntnissynode“ im Gemeindehaus: Ausrufung eines kirchlichen Notrechts [für Deutschland].

Auf einer Gedenktafel steht: „Am 01.07.1937 wurde Martin Niemöller verhaftet und acht Jahre zunächst im Konzentrationslager Sachsenhausen, ab Juli 1941 im Konzentrationslager Dachau gefangen gehalten.“  Nach dem Gemeindemitglied H. Tischer (schriftl. Mitt. 2008) ist dagegen Folgendes korrekt: „Niemöller wurde zunächst wegen einer Vielzahl von Anschuldigungen verhaftet und vor Gericht gestellt.  Für die Dauer des gegen ihn geführten Prozesses war er in Untersuchungshaft in Moabit.  Am 2. März 1938 wurde er zu 7 Monaten Haft verurteilt, die jedoch durch die Untersuchungshaft als verbüßt galten.  Dessen ungeachtet wurde er nicht freigelassen, sondern unmittelbar im Anschluss an den Prozess erneut verhaftet und als Sondergefangener des Führers ins KZ Sachsenhausen verbracht.“

Im früheren Pfarrhaus der evangelischen Kirchengemeinde Dahlem ist das Arbeitszimmer von Pfarrer Martin Niemöller zu einem Erinnerungsort gestaltet worden. (Informationsblatt A4).

Der Turm der Kirche wurde am 24. April 1945 durch einen Granatschuss der auf dem Feld nördlich der Domäne befindlichen deutschen Batterie heruntergeholt.  Die Wiedererrichtung des Turmes [H. Tischer: genauer gesagt: ein neuer Turm] konnte erst nach 1950 realisiert werden (Bartning 1950; in H. Tischer, schriftl. Mitt. 2008).

Im Gemeindehaus war Rudi Dutschke, aus der „Jungen Gemeinde“ der DDR stammend, Podiumsredner bei einem Bußtagsgespräch.  Er war mit Helmut Gollwitzer befreundet und bei ihm oft zu Besuch.

Die Grabstellen von Kurt Scharf und Rudi Dutschke liegen auf der Nordseite der Kirche, das Grab von Helmut Gollwitzer auf der Südseite.  Niemöller ist in Westfalen beerdigt (H. Tischer, schriftl. Mitt. 2008).

5. Umgebung

5.1 Geographie

5.2 Geologie

Die Dahlemer Dorfkirche liegt auf der pleistozänen Teltow-Hochfläche.  Diese Hochfläche ist besonders in den letzten 475.000 Jahren durch eiszeitliche Sande geprägt worden.

Bohrungen in der Umgebung der Dahlemer alten Kirche erschlossen oberflächennah über 10 m mächtige Weichsel-kaltzeitliche, meist feinkörnige Sande, in denen lokal schluffige Einlagerungen vorhanden sind.  Nach dem geologischen Schnitt stehen unter diesen Sanden vermutlich Mudden der Eem-Warmzeit und darunter mächtige saalekaltzeitliche Sande an.  Die Ablagerungen der Saalekaltzeit sind ca. 350.000 bis ca. 128.000 Jahre alt.  Erst in größeren Tiefen sind ältere Holstein-warmzeitliche und Elster-kaltzeitliche Ablagerungen vorhanden.  Tertiäre Bildungen stehen ab 200 m unter Gelände an (A. Kolberg).

5.3 Geschichte, Kultur, Bildung, Sehenswürdigkeiten und Tourismus

Dahlem war zur Gründung „eine feine Adresse“, ein „kleines Oxford“.  Die Entwicklung begann während des 1. Weltkriegs; Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.  Hier wohnten u.a. ???

5.4 Gewerbe und Produkte

5.5 Gaststätte

6. Kontakte

6.1 Ev. Kirchengemeinde Sankt-Annen,  Königin-Luise Str. 55,  14195 Berlin (PF)
6.2 Gemeindebüro der Ev. Kirchengemeinde Berlin-Dahlem
Thielallee 1-3,  14195 Berlin,  Tel.: 030 – 84 17 05 0;  030 – 84 17 05 19
buero@kg-dahlem.degedenkort@kg-dahlem.de
6.3Offene Kirche“,  Tel. 030 – 831 38 13
Frau Ruppel, Frau Schmidt, Frau Höpfner
6.4 Friedenszentrum Martin-Niemöller-Haus
Pacelliallee 61,  14195 Berlin,  Tel.: 030 – 84 10 99 51;  Fax 030 – 84 10 99 52
niemoellerhaus2006@yahoo.de
6.5 Heimatverein Zehlendorf, Benno Carus, Clayallee 355, 14169 Berlin (PF)

7. Information

Internet

Schriften

Arlt, K. (2007c): 175 Jahre Telegraphenberg. Die preußische optische Telegraphenlinie 1832–1852. – Mitt. Studiengemeinschaft Sanssouci, 12, 2: 8–34; Potsdam. [ISSN 1432-9050]

Informationsblatt A4: Erinnerungsort Martin Niemöller Berlin-Dahlem. – 2 S., 4 Abb.

7.3 Video etc.

8. Öffnungszeiten

9. Zur Nachbarstation

6.2.3
Von der Station 2 Berlin-Dahlem zur Station 3 Berlin-Wannsee(Routenvorschlag: A. Küppers, Graphik: AH, © GeoBasis-DE/LBG 20_, GB – D 23/10, Datengrundlage: DTK 50 (2002), Dank an die Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (www.geobasis-bb.de) für die freundliche Unterstützung. (Hohe Auflösung)

Konigin-Luise-Straße – Clayallee – Argentinische Allee – Mexikoplatz – Am Schlachtensee – Kronprinzessinnenweg – Königstraße (B1) – Am Großen Wannsee – Zum Heckeshorn – Lindenstraße – Hugo-Vogel-Straße – Königstraße (B1) – Schneewittchenweg (er beginnt am Ende der Bebauung) – Fernmeldeturm

Station 3 nach Station 4 (vorübergehend, da die Seite von Station 3 noch nicht fertig ist).

6.2.3
Von der Station 3 zur Station 4.(Routenvorschlag: MM, Graphik: AH, © GeoBasis-DE/LBG 20_, GB – D 23/10, Datengrundlage: DTK 50 (2002), Dank an die Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (www.geobasis-bb.de) für die freundliche Unterstützung. (Hohe Auflösung)