Station 18: Neuwegersleben Telegrafenberg

1. Zuordnung

2008 Sachsen-Anhalt (ST), Landkreis Börde (BK, bis 2007 BÖ), Verwaltungsgemeinschaft Westliche Börde, Gemeinde Am Großen Bruch, OT Neuwegersleben

1835 Königreich Preußen, Regierungsbezirk Magdeburg, Kreis Groß Oschersleben, Ortsbereich Neuwegersleben, Stationsstelle 18 (H78: 46/47)

2. Vormals

Stationsstelle ohne Namen (Statistische Übersicht 1835 in H78: 47), Keutenberg, Wegersleben

Großer Wegweiser

3. Lage, Adresse, Koordinaten, Höhe und Karte

Lage: auf dem Keutenberg, 1/8 Meile östlich, nach Hamersleben eingepfarrt (Handbuch Regierungsbezirk Magdeburg 1843).

„Auf dem Telegrafenberg bei Neuwegersleben“ (Grundbucheintrag, Anonymus 2007), ca. 1 km östlich der Gemeinde Neuwegersleben, an deren Friedhof grenzend.
Der Landkreis Börde (Stationen 15–18) war als erster Kreis mit standardisierten Informationstafeln und Wegweisern zur Telegrafenlinie ausgestattet.

Adresse: Hornhäuser Straße

Koordinaten: 52°02'28,8" N,  11°06'16,2" O

Höhe: 99 m


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4. Station

4.1 Gebäude und Baumeister

Gebäude: Funktionsbau vom Typ Stationsturm ohne Wohn- und Ökonomiebauten.  Baugleich mit der Station 45 in Breckerfeld (Anonymus 2007).  „Der Turm ist ein aus grauen Bruchsteinen [Muschelkalk, Mittlere Trias, Deutsche Stratigraphische Kommission 2002www.stratigraphie.de/trias] gemauerter schmuckloser Bau mit rechteckigem Grundriss und den Außenmaßen 6,2 x 3,8 m.  Das Gebäude hat ein Unter- und ein Obergeschoß sowie einen Keller.  Im Erdgeschoß befanden sich ein Aufenthaltsraum und eine Gerätekammer.  Das Obergeschoß war der Stationsraum mit den Bedieneinrichtungen für die Telegrafenanlage.  Sein Dach bildete eine hölzerne, mit Metall (wahrscheinlich Kupferblech) bedeckte Plattform, die durch ein Gitter gesichert war (Anonymus 2007: S. 13).

Baumeister: Ingenieur Hauptmann und Garnisonsbaudirektor Gottlieb Heinrich Ferdinand Heise (1788–1843) von der 2. Ingenieur-Inspektion und Premier-Leutnant Johann Heinrich Carl Lindner von der dritten Pionierabteilung, beide vom IV. Armeekorps in Magdeburg (Buchholz in www.uni.magdeburg.de/mbl/Biografien/1370.htm; Herbarth 1978: 63)

Betriebszeit: 1833–1849

4.2 Personal, Nachnutzung, Anekdoten und Verfall

Personal: Obertelegrafist Brese (1837), Untertelegrafist Wilhelm Beeh (1842), Obertelegrafist Leutnant a. D. Ludwig Friedrich Albrecht von Koppelow (1846), Untertelegrafist Johann Giesbert Brinkmann (1846) (Kirchenregister St. Petri Hamersleben; St. Nikolai Oschersleben).

Nachnutzung: Eine Nutzung als Relaisstation der elektromagnetischen Telegrafie [1849 Berlin–Koblenz] ist wahrscheinlich (Statistik Kreis Oschersleben 1863).

Der Turm wurde von 1855 bis 1953 als Wohnung genutzt (Anonymus 2007: S. 16).

Verfall: Nach 1953 setzte der Verfall ein und der Bauzustand verschlechterte sich rapide, obwohl der Turm in die „Zentrale Denkmalliste der DDR“ aufgenommen wurde.  Diese Klassifizierung bewahrte ihn jedoch vor dem Abriss (Anonymus 2007: S. 8).

Anekdote I: 1855 brachte die Köchin Luise Kruse, die auf dem Gut in Neuwegersleben arbeitete, ihren unehelichen Sohn Christoph Kruse, später Christoph Backhaus, in der Station zur Welt (Anonymus 2007: S. 8).

Anekdote II: Eine Bewohnerin, Frau Elsbeth Krüger (1930-1933) sagte 1992 nach der Telegrafenzeit befragt, „Wir haben zwar gewusst, dass es mal ein Telegrafenamt war, aber es gab innen und außen absolut nichts, was daran erinnert hätte“ (Anonymus 2007: S. 9).
(PF)

4.3 Renaissance, heutige Nutzung, Nachbauten, Eigentümer, Beschilderung und Besucher

Renaissance: „1986 machte der Heimatforscher G. Williger wieder auf den Turm aufmerksam und stellte dessen Bedeutung als Sachzeuge der Technikgeschichte heraus.  Damit begann eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der optischen Telegrafie in Preußen und dem Neuwegerslebener Gebäude (Anonymus 2007: S. 9).

Herbarth (1978) hatte zuvor festgestellt, dass „der Turm in seiner unveränderten Grundsubstanz das einzige, noch in seiner Originalform existierende, Stationsgebäude vom Bautyp „Telegrafenturm ohne Wohn- und Wirtschaftsbauten“, ist.“ Deshalb bewertete er ihn als

„kulturhistorisches und technisches Denkmal von überregionalem Rang und als wertvolle Geschichtsquelle“

(Anonymus 2007: S. 9).

1995 beauftragte der Landrat das Bauamt der Unteren Denkmalschutzbehörde mit der Wahrnehmung aller Aufgaben für die Rekonstruktion des Stationsgebäudes.  Die Leitung und Organisation lag in den Händen der Projektentwicklungsgesellschaft  FACH & WERK, Berlin.  Am 28. Juli wurde, aus Anlass des Beginns der Rekonstruktion, eine Postkarte herausgegeben (siehe tiefer).  Richtfest wurde 1997 gefeiert.

Bundespostminister a. D. Schwarz-Schilling war Schirmherr des Projekts.

Im Oktober 1999 war die Station wieder hergestellt.

Nutzung: Die Station wird als Museum genutzt (www.optische-telegrafie.de/Station).

Am 7. September 2001 wurde die Telegrafenstation der Öffentlichkeit übergeben; sie wird seitdem durch die „Interessengemeinschaft Optische Telegrafie“ betreut.  Das Untergeschoß ist als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum gestaltet.  Es beherbergt die Ausstellung „Optische mechanische Telegraphie in Preußen“.

„Durch die Restaurierung der Station ist eine in der äußeren Form und in der Funktionsfähigkeit historisch getreue Station der Optischen Telegrafenlinie Preußens wieder entstanden und somit ein wichtiges Sachzeugnis der technischen Entwicklung Preußens gesichert worden“ (P. Fuchs).

Die Optische Telegrafie und das Telegrafengebäude lieferte 2003 Idee und Kulisse für dem Spielfilm“ In die Ferne Schreiben“ als Diplomarbeit der Medienhochschule Köln.

Sonderveranstaltungen Literatur im Turm, Musik im Turm, Projekttage für Schüler.

Nachbauten: Der 13 m lange jetzige Signalmast ist aus Fichtenholz, jeder der sechs Flügel besteht aus einem 1,70 m langen Holzrahmen mit Eisenblechjalousien und die Gußteile lieferte die „Kunstgießerei Lauchhammer“ (Anonymus: S. 14)

Durch Vermittlung der „Fraunhoferschen Gesellschaft“ übergab die Schott-Zeiss-GmbH 1998 durch Herrn Vogel die Repliken von zwei Fernrohren, die Lehrlinge der Berufsausbildung GmbH „Zeiss Jena“ originalgetreu nachgebaut hatten:  Diese Spende ist eine der Attraktionen der Ausstellung.

Eigentümer: Gemeinde Neuwegersleben

Beschilderung: standardisierte Informationstafel, standardisierter Wegweiser. (PF)

Besucher: Die Station Nr. 18 ist ein sehr beliebter Treffpunkt für Terlegrafenfreunde aus ganz Deutschland.  Am 26. April 2009 fanden sich Akteure der Stationen 4, 11, 14, 18, 23 und 28 sowie des ADFC Magdeburg an der Station Nr. 18 anläßlich einer Radtour der IG4 von Magdeburg nach Neuwegersleben.

5. Umgebung

5.1/2 Geographie und Geologie

Der Telegraphenberg ist eine 99,3 m NN hohe Kuppe unmittelbar nördlich des Großen Bruches, dessen Aue sich hier im Niveau von ca. 80 m NN befindet.  Die Erhebung besteht im Wesentlichen aus obereozänen bis unteroligozänen Quarzsanden, Schluffen und Tonen.  Tertiäre Ablagerungen treten im Nördlichen Harzvorland bevorzugt in den Randsenken von Salzstrukturen auftreten, wie hier an der SW-Flanke der nordwestlichen Fortsetzung des Staßfurt-Egeln-Oschersleben-Sattels.  Das Tertiär wird von geringmächtigem weichselkaltzeitlichem Löss überlagert, nördlich der Station auch von Saale-Grundmoräne und Schmelzwasserablagerungen.  Im Hochflächenbereich steigen die Quartärmächtigkeiten rasch auf mehr als 30 m an (S. Wansa & G. Schönberg).

5.3 Geschichte, Kultur, Sehenswürdigkeiten und Tourismus

Hamersleben

Geschichte: 934 Wegersleben mit Burg, Zerstörung durch die Hunnen, 1112 erste urkundliche Erwähnung, 1140 erster Kirchenbau, 1264 Bau einer Fähre im Großen Bruch, 1347 Pest, 1540 Meliorationsarbeiten im Großen Bruch, Anlegen eines Damms (Neudamm), 1750 Gutshof wird gebaut, Umbenennung in Neuwegersleben, 1840 Bau des Schulhauses, 1850 Anschluss an Eisenbahn Magdeburg – Braunschweig, 1881 erste befestigte Straße nach Hornhausen, ab 1846 Ansiedlung von Kleinindustrie (Metallverarbeitung, Holzverarbeitung), 1914 Weihe der neuen evangelischen Kirche, 1924 Zuckerfabrik wird durch Brand zerstört, 1935–1941 Arbeitsdienstlager in Neuwegersleben, 1945 Einnahme durch amerikanische Truppen, 1953 Gründung der LPG (Müller 2007) (PF)

Sehenswürdigkeiten: Grenzdenkmale “ Deutsche Teilung“ in Hötensleben und  Marienborn, Dorfkirche Üpplingen (10 km); Radwanderweg "Börde"; Straße der Romanik: Stiftskirche St. Pankratius Hamersleben (2 km), Huysburg, Halberstadt (15 km) (PF).

Der einzige originale Indikator (Flügel) befindet sich im Börde-Museum Burg Ummendorf,  Meyendorffstr. 4,  39365 Ummendorf, Telefon: 03 94 09 – 5 22 (PF).  Bild

5.4 Gewerbe und Produkte

Kleingewerbe, Landwirtschaft (Einzelbauern)

5.5 Gaststätten und Herbergen

Gaststätte Klosterhof,  39393 Am Großen Bruch, OT Hamersleben, Klosterhof 6,  bürgerliche Küche,  Di.–So. 11.00 – 16.00 Uhr,  Tel.: 03 94 01 – 6 35 73

Pension Zur alten Post,  39387 Hornhausen, Straße der Einheit 6,  geeignet für Radwanderer,  Tel.: 039 49 – 9 74 70

Landgaststätte Kobbe,  39393 Am Großen Bruch, OT Neuwegersleben, Straße der Freundschaft 26,  bürgerliche Küche,  Mo., Mi.–Sa. 10.00 – 16.00 Uhr,  So. 10.30 – 15.00 Uhr,  Di. Ruhetag,  Tel.: 03 94 01 – 5 05 44

6. Kontakte

6.1 Verbandsgemeinde Westliche Börde, Marktstraße 7, 39397 Gröningen, Tel.: 03 94 03 – 91 10, Fax :03 94 03 – 2 16, post@verbgem-westlicheboerde.de

6.2 Werner Neum, Kolonie I/12, 39365 Wefensleben, Tel. 03 94 00 – 21 19 allertaler@freenet.de

7. Information

7.1 Internet

www.optische-telegrafie.de

www.vgem-westlicheboerde.de

www.strasse-der-technik.de

7.2 Schriften

Anonymus (1989): Dome, Kirchen, Klöster. – S. 118; Leipzig (Tourist-Verlag).

Anonymus (2007): Die optische Telegrafenlinie des Königreiches Preußen Berlin – Koblenz. Telegrafenstation Nr. 18 Neuwegersleben. – 20 S., 50 Abb.; Neuwegersleben (Museum Station18).

Buchholz, D. (2007): Gottlieb Heinrich Ferdinand Heise. – Börde, Bode, Lappwald, 2007: 4; Oschersleben.

Fuchs, P. (1995): Geflügelte Wort zwischen Magdeburg und Pabstorf. – Börde, Bode, Lappwald, Heimatschrift 1995: 76–86; Oschersleben (Landratsamt des Landkeises Bördekreis, Schul- und Kulturamt).

Fuchs, P. (1997): Telegramm bei „Gutem Wetter“. – Börde, Bode und Lappwald, Heimatschrift 1997: 16–18; Oschersleben (Landratsamt des Landkeises Bördekreis, Schul- und Kulturamt).

Fuchs, P. (2002): Über den Alltag und den Betriebsdienst auf der Optischen Telegrafenlinie Preußens. – Börde, Bode, Lappwald, 2002: 14–19; Oschersleben.

Fuchs, P. (2006): „Holztelegrafie“. Die Optische Telegrafenlinie des Königreiches Preußen und ihre Spuren in Berlin und Sachsen-Anhalt. – In: Heimatverein für den Bezirk Zehlendorf e.V. (1886) (Hrsg.): Jahrbuch 2006 für Zehlendorf; Berlin (Kahmann Druck und Verlag).

Williger, G. (1986): Telegrafenstation Nr. 18. – Zwischen Börde und Lappwald, 1986: 23–24; Oschersleben.

7.3 Video & Film

Unterwegs in Sachsen-Anhalt (Produktion MDR)

Optische Telegrafie (Feature) Regionalfernsehen Harz

„In die Ferne schreiben“ (Kurzspielfilm, Diplomarbeit der Medienhochschule Köln.)(PF)

7.4 Postkarten

8. Öffnungszeiten

von April bis September am letzten Sonntag im Monat von 14.00 bis 17.00 Uhr oder nach Vereinbarung

9. Zur Station Nr. 19

Luftlinie: 12,3 km und zur Station Nr. 17: 7,4 km (PS)

Telegraphenradweg: ? km (Autor ?)

Telegraphenstraße: ? km und ? m Fußweg (Autor ?)

6.2.3
Von der Station 18 zur Station 19: Neuwegersleben – Papstorf (Entwurf: K.W. Schmeißer) (Hohe Auflösung)